Creality Ender 3 V2 – Review

Creality hat seinen erfolgreichen FDM-3D-Drucker deutlich überarbeitet und schickt ihn in guter Ausstattung in den Markt. Ich habe den Drucker bestellt und schildere hier meine Eindrücke.

Zum Zweck der journalistischen Transparenz weise ich darauf hin, dass ich den Drucker von der Firma UniTak3D mit einem erheblichen Preisabschlag erhalten habe. Mein Review wird dadurch in keiner Weise beeinflusst. Vor Veröffentlichung stark negativer Eindrücke halte ich immer Rücksprache mit dem jeweiligen Sponsor. Ich kann vorausschicken: Das war in diesem Fall nicht nötig.

Da der Drucker via Amazon bestellt wurde und auch von Amazon direkt versendet wurde, ist meines Erachtens eine Selektion ausgeschlossen.

 

Der Karton ist ca. 57cm x 38cm x 21cm groß und wiegt laut Aufdruck 9,78kg.

Außen findet sich ein Aufkleber mit der genauen Bezeichnung und dem Lieferumfang. Die komplette Beschriftung deckt sich mit der Beschreibung von Amazon:

Creality Ender 3 V2 3D-Drucker mit TMC2208 Schrittmotor Treiber Silent Motherboard,Bunter UI Display Controller und Carborundum Glass Platform 220x220x250mm

Sollte übrigens jemandem die weitere Beschreibung auf Amazon nicht gefallen: Ich bin schuld. Sie ist von mir aus dem Englischen übersetzt worden.

Gut verpackt ist der Bausatz auf jeden Fall …

 

Die aufgeräumte Art der Verpackung imponiert mir.

Man kann jetzt sicherlich darüber streiten, ob es unbedingt Schaumstoff zur Verpackung sein musste, aber da es doch um Teile mit erhöhtem Präzisionsanspruch geht, halte ich das für vertretbar. In einer zweiten Lage darunter (Leider vergessen zu fotografieren) liegen weitere Teile und Zubehör.

Diese Karte lag dem Paket bei. Bei einigen Artikeln lässt sich UniTak3D nicht nehmen noch ein kleines Goodie bei einem Review auf Amazon zu spendieren. Dieses Goodie ist allerdings recht üppig ausgefallen. Es liegt mir noch nicht vor.

In Form eines kleinen DIN A5 Quer Heftchens liegt eine Aufbau- und Inbetriebnahmeanleitung vor. Es geht los mit der Überprüfung der Vollständigkeit.

An die Grundeinheit wurde der X-Schlitten inklusive Hotend gleich angeschlossen.

In meiner Lieferung waren alle Teile laut Stückliste enthalten, wobei ich an einer Stelle zunächst ein Fehlteil vermutete. Ich fand nämlich die Position 35 (Schraube M4x14) nicht. Es zeigte sich, dass die Schraube bereits in den Riemenspanner für die X-Achse eingesetzt war. Mir ist auch gleich aufgefallen, dass alle Teile von sehr guter Qualität waren. Nichts war angeschlagen oder verkratzt. Schrauben sind ordentlich gesetzt und haben intakte Köpfe. Die Profile waren in Folie gewickelt und enthielten keine Sägespäne, wie es oft bei Bausätzen vorkommt.

Da ich mich schon recht viel mit 3D-Druckern beschäftigt habe, sie aufgebaut, umgebaut und verändert habe, wäre es ja kaum überprüfbar ob die Anleitung zum Aufbau gut oder nicht so gut ist. Auch ob der Aufbau klar ist, erschließt sich nicht, wenn ich den Drucker baue. Mit diesem Gedanken konfrontiert, erklärte sich meine Frau bereit, es mal zu versuchen. Meine Frau hat keinerlei Vorkenntnisse bezüglich Technik, außer dass sie natürlich immer wieder sieht, wenn ich etwas bastle.

Die folgenden Anmerkungen gelten nur für die gedruckte beigelegte Anleitung. Auf der beigelegten 8GB Micro-SD-Karte mit USB Cardreader liegt die Anleitung in PDF-Format vor. Dort kann man alles hervorragend erkennen. Leider hatten wir bei Baubeginn den Hinweis auf die SD-Karte nicht gesehen. Zusätzlich steht sogar noch ein 12-minütiges hervorragendes Aufbauvideo zur Verfügung, bei dem dann gar keine Fragen mehr offen bleiben.

Was meiner Frau, aber auch mir, bezüglich der gedruckten Anleitung sofort auffiel: Die Abbildungen sind viel zu klein gedruckt. Sie sind zwar durchaus realistisch, aber Bohrungen oder Schrauben sind beispielsweise kaum erkennbar. Eigentlich wäre aber genügend Platz auf den Seiten.

Der fotografierte Bereich der Anleitung ist 13cm x 9cm groß. Für einen Anfänger ist die Lage des Z-Endstopps und auch der Hinweis zu den Nuts kaum nachvollziehbar. Dafür ist aber wieder auf der rechten Seite die Lage der Bohrungen vorbildlich dargestellt.

Kleinere Fehler schleichen sich auch auf Seite 7 ein. Der Z-Motor trägt einen Block zur Verschraubung am Profil. Die Zeichnungen des Einzelteils sind grundsätzlich falsch. Erst im angebauten Zustand passt es wieder. Peanuts, – ich weiß. Aber gehen wir mal davon aus, dass ein unerfahrener Mensch vor dem Bausatz sitzt.

Das Abbildungsgrößenproblem wird dann auf Seite 8 richtig übel. Hut ab vor dem, der laut diesen Zeichnungen das X-Achsen-Profil vom Gantry-Profil unterscheiden kann. Was meine Frau völlig verwirrt hat, war eine Öse über die der Riemen läuft, die links aus dem X-Achsen-Profil herausragt. Ein Teil, dass es offensichtlich nicht in die Produktion geschafft hat.

Die Installation des XE-Axis Kits an dem X-Profil ist eine fummelige Sache. Alle Teile müssen irgendwie festgehalten werden, zueinander positioniert werden und dann müssen noch die Schrauben über einen Zwischenraum eingesetzt werden und in Gewinde im X-Profil gedreht werden. Es ist aber machbar.

Folgt man der Anleitung von Seite 8 und 9 ist es gar unmöglich den Riemenspanner einzusetzen. Die Lösung ist recht simpel und sie fällt dann auch jedem auf. Der Riemen wird erst hinterher um den Spanner  und das Profil gelegt.

Spätestens bei der Installation des Gantry-Profils (der obere Rahmen) fällt auf, dass man eventuell die Z-Profile nicht ganz gerade eingebaut hat. Ich bin so vorgegangen. Das Gantry-Profil wird mit den 4 Schrauben leicht befestigt. Dann löse ich wieder die 4 unteren Schrauben an den Z-Profilen etwas damit ich sie drehen und im Rahmen der Möglichkeiten verschieben kann. Wenn ich mit der Position Z-Profil zu Gantry-Profil zufrieden bin, fixiere ich unten wieder und dann oben. Macht man das an beiden Seiten sollte alles gut ausgerichtet sein.

Nun fehlten noch das Display und der Fillamenthalter. Das Display teilt sich auf in einen stabilen Kunststoffhalter und die Displayeinheit selbst. Der Displayhalter wird zunächst mit 3 Schrauben und Nuts am rechten Grundprofil angeschraubt. Anschließend wird die Displayeinheit aufgesteckt und das Flachbandkabel angeschlossen.

Apropos Anschlüsse: Das ist in diesem Fall nicht sonderlich viel und es ist gut dokumentiert. Man hat sogar Schaubilder zu den beiden verschiedenen Steckerarten in die Anleitung genommen. Alle Anschlüsse sind klar gekennzeichnet, – es sind eh nur 5 Stecker zu setzen. Man kann eigentlich nichts verkehrt machen.

Der Filamenthalter besteht aus einem Blechteil und einer Kunststoffröhre. Leider sind die vorgesehenen Schrauben M5x8 etwa 2mm zu lang und drücken bis auf den Nutgrund des Gantry-Profils durch. Nicht wesentlich aber schade und man merkt es erst, wenn es zu spät ist.

 

Eine der Neuerungen am Ender 3 V2 ist die Werkzeugschublade. Ich finde das richtig gut. So hat man immer das Wichtigste parat. Den Abmessungen des Elektronikteils geschuldet ist aber das begrenzte Stauvolumen. Die Inbusschlüssel  und die Düsennadel passen genauso hinein wie die beiden kleinen aber vollkommen ausreichenden Schraubenschlüssel. Die Kneifzange passt gerade so hinein. Leider schafft es der Spachtel nicht mehr.

Abschließend sollten die Riemenspannungen geprüft werden. Diese einzustellen ist natürlich aufgrund einer der Neuerungen am Ender sehr einfach. Ähnliche Teile für meinen Tronxy liegen schon bereit.

Während alle Rollen auf den Achsen X und Z optimal liefen, fiel mir gleich der relativ lockere Drucktisch auf. Aber auch das ist überhaupt kein Problem in der Einstellung. Durch die Exzenterschrauben lassen sich die Rollen an allen Achsen leicht einstellen.

im Bild oben sieht man auch sehr schön die großen Einstellräder für das Leveln des Tisches.

Nach 2 Stunden vom Öffnen des Pakets bis zur Fertigstellung steht er  da und wartet auf seinen Einsatz. Prinzipiell war es für meine Frau kein Problem den Drucker zu bauen. Kleinigkeiten müsste sich ein Themenfremder vielleicht etwas länger erarbeiten. Es waren wirklich nur Kleinigkeiten, die den Baufortschritt gelegentlich aufhielten.

… und der erfolgte am nächsten Tag.

Die Anleitung beschreibt sehr gut, wie man den Drucker Levelt. Auch in dieser Beziehung legt der Ender dem neuen Anwender keine Stolpersteine in den Weg.

Der Drucker bootet recht schnell und stellt dann ein Startmenü zur Verfügung. Übrigens ist das kein Touchdisplay, was ich ehrlich erwartet hätte. Die Menüführung ist aber intuitiv erfassbar.

Nach dem rein manuellen 4-Punkt-Leveln wollte ich mit dem mitgelieferten weißen PLA auch gleich etwas drucken. Das Preheating verläuft mit gut zwei Minuten für 200°C Hotend und 60°C Heatbed recht schnell.

Auf der mitgelieferten Micro-SD-Karte finden sich zwei Druckfiles. Der Hund ging schneller und ich wollte ein Ergebnis sehen. Also habe ich ihn gewählt.

Einige Sekunden nach der Auswahl tat sich nichts und ich dachte schon, es läge ein Defekt vor. Aber nein, es ging dann doch los. 

Der Drucker läuft wirklich sehr leise, auch wenn er nicht gerade schlafzimmertauglich ist. Die Bewerbung als leiser Drucker ist gerechtfertigt. Dazu tragen sicherlich die TMC2208-Chips bei. Ob sie auch im modernen UART-Modus gefahren werden, kann ich aktuell nicht sagen.

 

Der Drucker rechnet ständig die verbleibende Zeit hoch. Letztlich hat er 1:10h gebraucht. Nach einem Prozent Fertigstellung ging er noch von 9 Stunden aus. Ob er lernfähig ist?

 

Eine weitere Neuerung ist die Carborundum-Glas-Platte als Druckbett. I Verbindung mit dem mitgelieferten PLA ist die Wirkung sehr gut. Der Druck haftet sehr fest, selbst wenn die Platte schon kalt ist. Mit dem Spachtel lässt sich der Druck dann aber leicht abnehmen.

Den Spachtel sollte man vor der ersten Benutzung nachbearbeiten. Er hat im Lieferzustand üble Grate, die im schlimmsten Fall auch die Glasplatte beschädigen können. Ich habe ihn auf meinem Bandschleifer nachbearbeitet und jetzt lässt er sich gut nutzen.

Dem Drucker liegt eine micro-SD-Karte und ein USB-Card-Reader bei. Auf der Karte findet man neben der Anleitung in PDF-Format auch einen hauseigenen Slicer. Auch dazu gibt es eine PDF-Anleitung. Ein erster Blick in die Anleitung lässt mich zur Meinung kommen, dass der Slicer gar nicht mal schlecht aussieht. Weiterhin findet man auf der Karte diverse Modelle als STL-Files und ein Troubleshooting. Besonders gut finde ich aber ein 12-minütiges Video über den Aufbau des Druckers. Mit diesem Video sollte wirklich nichts mehr schiefgehen. Leider habe ich die Karte erst ganz zum Schluss angesehen, obwohl der Hinweis in der gedruckten Anleitung steht.

Zum Creality Slicer ist noch anzumerken, dass er zumindest unter Win10 x64 nicht direkt lauffähig ist. Hier ist dann nach der Installation mit einem Rechtsklick auf das Programmicon „Behandeln von Kompatibilitätsproblemen“ auszuwählen. Windows 8 wird dann angeboten und damit funktioniert es auch. Schade dass das nirgends sonst nachzulesen ist.

Fazit: Ich kann den Ender 3 V2 voll empfehlen. Ausschlaggebend ist für mich dabei, dass der Bausatz hochwertig gefertigt ist und sich auch von Fachfremden leicht aufbauen lässt. Er verfügt über viele moderne und sinnvolle Komponenten und bringt im ersten Test ein sehr gutes Ergebnis. Es ist sehr wichtig frustfrei zum ersten Erfolgserlebnis zu kommen, sonst macht das Hobby keinen Spaß.

Die kleinen Patzer in der Aufbauanleitung würde ich nicht überbewerten, auch wenn ich mich darüber ausgelassen habe. Ich werde das mal an UniTak3D weitergeben. Vielleicht tut sich ja was. Keine Stelle der Anleitung führt zu Schäden oder zum Misserfolg. Jeder sollte in der Lage sein, den Drucker mit der Anleitung zu bauen, sofern er Englisch versteht.

Wenn Fragen offen geblieben sind oder Hilfe gebraucht wird, stehe ich gern zur Verfügung. 

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